Dein Blut: Zwischen Menarche und Menopause

Hast du schon mal nachgezählt, wie häufig du bisher deine Mensis, deine Mondzeit, deine Blutung hattest? Bei mir waren es 546 Mal. Ich war 12 Jahre alt bei meiner Menarche, meiner ersten Blutung und ich stoppte mit 54.

Das heißt, ich blutete 42 mal 13 Monate (ich rechne 28 Tage, macht 13 Monde); abzüglich einer Schwangerschaft und einem Jahr Stillen, also über 500 Mal.

Diese Zahl hat mich echt beeindruckt.

Etwas, was für uns Frauen so häufig und (meist) regelmäßig erfolgt, hat gleichzeitig so wenig Raum.

Wir sprechen über alles Mögliche öffentlich, aber Menstruation ist ein Thema, das mit Scham, Tabu, Ignoranz und eben Sprachlosigkeit belegt ist. Es ist ein ausgegrenztes Thema, um das es eine laute und geschäftige Stille gibt, denn es soll sauber, spurlos, geruchlos und unauffällig gehandhabt werden, wie uns die Werbung zu Waschlotionen, Duftsprays, Tampons, Einlagen etc. eindrücklich zeigt.


Wenige von uns haben ihre Menarche, die erste Blutung, als etwas Kraftvolles und Erhebendes erlebt, als eine Initiation in das FrauSein.

Als den Beginn einer ganz neuen Phase, eines großen Lebenskapitels.
Viele Mädchen und Frauen fühlen und fühlten sich damit allein gelassen, hatten/haben wenig Erklärungen oder Begleitung und empfinden/empfanden diese 5 bis 7 Tage des Monats als ein notwendiges Übel, eine Störung oder eine Belastung. Nicht selten wird diese Zeit als anstrengend, belastend, schmerzhaft wahrgenommen, als ein Übel, was Frau möglichst schnell hinter sich lässt, um ihm dann +/- 28 Tage später wieder zu begegnen.

Ähnlich sprachlos, tabuisiert und mit vielen Mythen belegt ist das andere große Thema um unser Blut bzw. um das Versiegen dessen. Die Menopause oder Wechseljahre. Irgendwo so zwischen 45 und 55 angesiedelt, bewegt sich jede Frau auf diese Phase zu. Manche spüren von diesem Übergang wenig, andere haben massive Probleme, wenn der weibliche Körper seine Hormone umstellt (und manche einstellt).

Die Mythen gehen über fehlende Libido, kein Interesse an Sex bis hin zu nicht mehr wirklich Frau sein.

Vielleicht fühlst du dich tatsächlich so, für mich bleibt aber die Frage: Bist du wirklich in Verbindung mit dir und deinem Körper, deinem Schoß? Ja, es gibt Veränderungen, aber sie bedeuten kein Ende, sondern können ein Neubeginn in ein erfülltes und sinnliches Erleben sein.

In meiner Arbeit mit Frauen kann ich oft sehen, wie wenig Kenntnis viele Frauen von ihrem Körper und seinen Bedürfnissen haben. Oft werden diese Bedürfnisse für längere Zeit zurückgedrängt, bis sie oft nicht mal mehr bewusst und spürbar sind. Das geht aber immer auf Kosten der Lebendigkeit und der Lebensfreude. Spätestens jetzt bist du aufgerufen, dich selbst zu sehen, dich zu würdigen, deine Wünsche und Sehnsüchte deutlich anzuschauen und Wege zu einer für dich stimmigen Erfüllung zu gehen. Wir sind heute an einem so anderen Punkt, als es noch unsere Mütter oder Großmütter waren. Wir sind aktiver, meist gesünder und fitter, wir leben länger. Die Zeit vor deiner Menopause ist wie ein neues Terrain, auf dem du eine spannende und großartige Reise antreten darfst. Ich sehe diese Zeit als eine Phase der Transformation. Wir müssen nochmal genau schauen, was liegen geblieben ist, wo wir nicht in Kontakt mit uns waren, wo wir uns vergessen haben - kurz gesagt: Wo hast du dich verlassen? 

Das sind zwei große Tore in unserem weiblichen Leben: Menarche und Menopause.

Das erste durchschreiten wir ganz plötzlich, es ist einfach da. Das zweite erstreckt sich über einen Zeitraum, das Blut stoppt meist nicht auf einmal, sondern wird weniger, unregelmäßiger. Beiden gemeinsam ist ihre immense Bedeutung für unser Leben. Und beiden gemeinsam ist, dass sie nicht gewürdigt werden.
Wenn das für dich so ist, kannst du das nachholen. Das ist wichtig, weil hier deine größte Kraft liegt.
Alles in unserem Leben ist mit unserem Schoß verbunden. Hier liegt die Quelle unserer Urkraft, Lust und Kreativität. Mit ihr (wieder) in Verbindung zu kommen, heißt auch an die innerste Kraft anzudocken.
Ich unterstütze dich sehr gern dabei.

Herzlichst!

Anandi